„Die Trauer ist nicht die Folgeerscheinung unseres Schmerzes,
sondern bereits ein Heilmittel gegen diesen.“ (Unbekannt)
Nach dem Verlust eines nahe stehenden Menschen ist nichts mehr wie es war. Die Trauer fordert uns heraus; jedes Mal in eigener, besonderer Weise:
Ob beim Verlust eines Partners, eines Kindes, eines Angehörigen oder eines Freundes - aber auch, wenn es um die ganz Kleinen geht, von denen es bereits während der Schwangerschaft Abschied zu nehmen gilt.
Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod eines Angehörigen durch einen Unfall oder Suizid ist der Schock zunächst sehr groß und die Heftigkeit des Schmerzes namenlos. Alles erscheint unwirklich. Zu begreifen, was geschehen ist, braucht viel Zeit, Geduld und Nähe – oft auch gerade und zuerst zum Verstorbenen in Form eines bewussten Abschieds.
Immer wieder werden die Umstände hinterfragt, die Frage nach dem Warum ist quälend und es gibt darauf keine Antwort, die die Angehörigen zur Ruhe
kommen ließe.
Verstirbt ein Mensch nach schwerer Krankheit, sind die Angehörigen bereits ein gutes Stück ihres Trauerweges gegangen. Aber auch wenn der nahende Tod häufig schon spürbar war, kann sich doch letztlich niemand auf die mit dem Tod entstandene Lücke vorbereiten.
Trauer ist keine Krankheit. Dennoch fühlt sie sich oft genug so an. Denken, Fühlen und körperliche Befindlichkeit sind betroffen. Schlafstörungen, wiederkehrende, belastende Träume, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Erzähldrang oder Rückzug von früher wichtigen Menschen, Vermeidung von bestimmten Orten oder Situationen sind nur einige der Symptome, die die Folge sein können.
Die Trauer geht oft über uns hinaus und fordert viel Zeit und Kraft, um durchlebt zu werden. Einmal stehen das Loslassen und die Gestaltung des Abschieds im Vordergrund; dann wieder bedeutet Trauer, das Leben und die Beziehung zu dem geliebten Menschen neu zu begreifen und zu gestalten. Einmal überwiegen Schmerz und Leid, ein anderes Mal herrschen Angst, Wut und Schuldgefühle vor. Gefühle ebben ab und kommen wie in Wellen wieder.
Jeder geht seinen eigenen Weg nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Es gibt dabei keine festen Regeln. Manchmal scheint es, als lasse die Trauer nach, dann jedoch kommt sie wieder und zeigt neue Facetten. Auch nach Jahren können Trauergefühle wieder verstärkt auftreten. Jedoch erleben Trauernde oft, dass stillschweigend erwartet wird, inzwischen längst über den Tod des geliebten Menschen „hinweg zu sein“.
Die Zeit allein heilt keine Wunden. Die Erinnerungen an den Verstorbenen werden zu einem Begleiter für das ganze weitere Leben. Zu bestimmten Zeiten wird die Trauer um ihn deutlich spürbar, dann wieder geht sie mehr im Hintergrund mit. Manchmal scheint sie gar nicht nachzulassen. Die Trauer braucht neben Zeit auch Aufmerksamkeit, ein Gegenüber, damit sie zu einem wertvollen Wegweiser für das weitere, veränderte Leben werden kann. Eine Beratung oder Gespräche mit einem Menschen außerhalb der eigenen Familie können hier eine hilfreiche Unterstützung sein.